#84 - Kanzleikauf: Ein Jahr nach der Unterschrift
Shownotes
In dieser Folge nehmen wir euch mit auf unsere Reise durch das erste Jahr nach der Übernahme einer bestehenden Kanzlei. Gemeinsam mit unserem Gast sprechen wir offen darüber, was überraschend gut lief – und was er heute anders machen würde. Wir besprechen, wie man die passende Kanzlei findet, was es bei der Übergabe zu beachten gilt und warum das Team der Schlüssel zum Erfolg ist. Ihr erfahrt, wie viel Tradition erhalten bleibt, wie viel Digitalisierung möglich ist und was es bedeutet, mit einem älteren Mandantenstamm und Team neue Wege zu gehen. Wenn ihr wissen wollt, worauf es bei einer Kanzlei-Übernahme wirklich ankommt, seid ihr hier genau richtig.
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Transkript anzeigen
00:00:00: Hallo und herzlich willkommen an der Steuerbar.
00:00:13: Heute nehmen wir euch mit und blicken gemeinsam hinter die Kulissen einer Kanzlei-Übernahme, die Alternative zur klassischen Neugründung.
00:00:19: Ja, und das Thema beleuchte ich natürlich nicht alleine, sondern gemeinsam mit Onur, zu dem ich jetzt auch kurz Hallo ins Studio sage.
00:00:25: Hallo Onur!
00:00:26: Hallo Franzi!
00:00:27: Ja, unser Gast hat vor rund einem Jahr eine bestehende Kanzlei übernommen.
00:00:31: Wir schauen gemeinsam zurück auf dieses erste Geschäftsjahr.
00:00:33: Was lief überraschend gut, was war vielleicht härter als gedacht?
00:00:36: Wir wollen auch darüber sprechen, wie man überhaupt die passende Kanzlei finden kann und wie sich eine Übergangsphase mit der bisherigen Inhaberin oder dem Inhaber gut gestalten lässt.
00:00:46: Und wie sieht so ein Alltag nach der Unterschrift aus?
00:00:49: Wie viel Tradition bleibt?
00:00:50: Wie viel Digitalisierung muss vielleicht sein oder möchte man mit einbringen?
00:00:55: Was macht ein älterer Mandantenstamm oder ein älteres Team mit den einen Plänen?
00:00:59: Und was würde unser Gast heute anders machen?
00:01:01: Das finde ich besonders spannend.
00:01:02: Das wollen wir auch klären.
00:01:03: Ja, wenn ihr selbst über eine Übernahme nachdenkt oder einfach wissen wollt, wie sich so ein Schritt wirklich anfühlt, dann bleibt unbedingt dran.
00:01:10: Dann kommen wir zum heutigen Gast.
00:01:12: Viele von euch werden ihn bereits kennen.
00:01:13: Er ist Gründer und Digitalisierungsexpert in der Steuerbranche, bringt viel Erfahrung aus verschiedenen rollenden Projekten mit, setzt sich stark für Nachwuchsförderung ein.
00:01:22: und ist auch sehr aktiv in der NWB-Akademie und gibt dort regelmäßig KI-Seminare.
00:01:27: Er ist Host des Podcasts ansteuern und bei Neuplaner ist er verantwortlich für Prozesse, Digitalisierung und Weiterentwicklung.
00:01:34: Schön, dass du da bist, Mädchen.
00:01:35: Ja, vielen Dank, dass ich da sein darf.
00:01:38: Ja, richtig cool.
00:01:39: Auf deinen anderen Podcasts gehe ich nachher noch mal ein.
00:01:41: Mir freut es auch sehr, dass wir jetzt zum zweiten Mal zusammen, glaube ich, aufnehmen.
00:01:45: Ich meine, wir haben schon mal eine kurze Folge zusammen aufgenommen, falls du dich erinnerst auf dem Vom.
00:01:51: Ja,
00:01:51: genau.
00:01:52: Wir saßen auf einem Event, bei dem ich glaube, man sieht, die Eindrücke von dem Eventtag schildern durfte.
00:02:00: Genau, genau.
00:02:01: Ja, ist auch schon wieder ein paar Jahre her.
00:02:04: Wie schon angeteasert gerade oder wie auch im Vorgespräch schon erzählt, hast du eine Kanzlei gekauft?
00:02:11: Das ist jetzt ein Jahr her.
00:02:13: Wie war denn das erste Geschäftsjahr?
00:02:16: Es gibt so ganz viele Ebenen, wie man das bewerten könnte.
00:02:22: Aber ich saß tatsächlich heute Morgen mit der, sagen Juniore Partnerin zusammen, die auch noch da in der Kanzlei geblieben ist, anders als die Seniorin, die es verkauft hat.
00:02:37: Aber ihr habe ich O-Ton gesagt heute Morgen von all den Dingen, die man sich am Anfang vorstellt, die... bei so eine Übergabe und Nachfolge schiefgehen können, davon ist eigentlich gar nichts passiert.
00:02:49: Und da mein Hauptmotto des ersten Jahres wirklich war, erstmal Stabilität.
00:02:55: bei Mitarbeitern, bei Mandanten und so weiter.
00:02:58: Und weder die Mitarbeiter alle weggerammt sind, noch die Mandanten, muss ich sagen, ich bin sehr zufrieden.
00:03:03: Cool.
00:03:04: Ja, das hört man gerne.
00:03:04: Das hört sich sehr spannend an.
00:03:06: Bevor wir so auf die Details schauen, was hat dich denn überhaupt motiviert, eine bestehende Kanzlei zu kaufen, anstatt neu zu gründen?
00:03:15: Ich habe vorher schon ein paar Mal gegründet, um es sozusagen.
00:03:22: Ich finde Gründen wahnsinnig faszinierend.
00:03:24: Und ich glaube, Leute aus meinen persönlichen Umfelden würden auch alle sagen, ich bin der geborene Gründer, ich bin sehr gut da drin los zu laufen.
00:03:31: Die Herausforderung ist dann irgendwann Dinge, nachdem sie dann laufen, einfach weiter weiter beizubehalten.
00:03:38: Das fällt mir sehr viel schwerer, als erstmal Bewegung in was reinzubekommen.
00:03:42: Und das ist fürs Gründen erstmal ganz gut.
00:03:45: Aber ich habe vor allen Dingen bei meinen bisherigen Gründungen gelernt, wie schwer es ist, sich so Stück für Stück rauszuarbeiten aus dem Tagesgeschäft, das erste Team aufzubauen.
00:03:56: Und ich habe mich noch dran hinterher, als ich damals irgendwann den ersten Mitarbeiter eingestellt habe.
00:04:00: Da steigen die Fixkosten von fünfhundert Euro im Monat auf vier, fünftausend Euro im Monat und das erst mal zu bewältigen.
00:04:09: andere Wachstum, Hürden, Schmerzen, hat man dann bei zehn Mitarbeiter, noch mal bei zwanzig Mitarbeiter.
00:04:14: Und es gibt so richtige Phasen, die man immer wieder meistern muss.
00:04:18: Und ich muss ehrlicherweise sagen, ich habe darauf geschworen, gesagt, das ist spannend.
00:04:22: Diese Herausforderung habe ich jetzt schon ein paar Mal erlebt.
00:04:24: Vielleicht überspringe ich sie einfach.
00:04:26: Und ich möchte jetzt nicht sagen, ich setze mich ins gemachte Nest, aber ich gehe von vornherein überspringe ein paar Wachstums, Hürden.
00:04:35: Und man muss auch einfach dazu sagen, Der Markt ist.
00:04:37: als junger Mensch, der gerne die nächsten Jahrzehnte da noch irgendwie in der Steuerberatung stattfindet, ist das schon auch sehr attraktiv, weil es halt mehr ältere Kanzleinhaber gibt, die gerne ihre Kanzlei loswerden wollen.
00:04:49: Das heißt, man hat eine gewisse Auswahl und die Preise von Kanzleinen sind für die nachfolgende Generation schon attraktiver aufgrund von Angebot und Nachfrage ein.
00:04:59: Ja, hat auf jeden Fall einige Vorteile, höre ich so schon raus.
00:05:03: Wenn erst mal diese Entscheidung gefallen ist, dass man ja einen Kanzler kauft, dann stellt sich ja die Frage nach der passenden.
00:05:10: Wie hast du die dann gefunden, nach welchen Kriterien hast du gesucht und wie bist du überhaupt vorgegangen?
00:05:18: Also intuitiv ist der erste Ansatz, den ich gemacht habe.
00:05:22: Einige Berater am Markt.
00:05:23: Ich glaube, wenn man auf jeder Text-Arena-Steuerberater-Expo und auf welchem Event auch immer, da stehen immer irgendwie so ein paar Kanzlei-Vermittler rum.
00:05:30: Mit denen habe ich das erste Mal irgendwie gesprochen und mir Exposies schicken lassen und dann auch in meinem Umfeld einfach nicht umgehört.
00:05:39: Und witzigerweise war das... haben wir uns dann getroffen, das ist eine Steuerberaterin gewesen, die schon Jahre vorher in meinem vorherigen Job irgendwann mich mal angeschrieben hat und an einer Kooperation gefragt hat.
00:05:51: Also ich bin so diesen Offiziellen über Rekruter und Agenturen gegangen, um am Ende dann gefühlt die ganze Welt gesucht zu haben und mir bestimmt dreißig vierzig Exposés angeschaut zu haben, um am Ende dann doch... Bei einem Kontakt zu landen, den ich schon seit drei, vier Jahren hatte.
00:06:09: In einem ganz anderen Kontakt.
00:06:10: Aber wo man zumindest schon mal so eine persönliche Bindung hatte und das Gefühl hatte, dass man auf einer Wellenlänge liegt.
00:06:15: Und die ganz leise ist dann geworden.
00:06:17: Ja.
00:06:18: Ein paar Umwege gegangen, okay.
00:06:20: Wie lange hat das gedauert, dieser komplette Prozess von der ersten Idee, was zu kaufen bis dann zum... Termin, wo du unterschrieben hast.
00:06:27: Ja, die Idee hatte ich schon relativ früh, weil ich habe vorher Contest, also ein Fintech-Unternehmen mitgegründet und aufgebaut und das haben wir irgendwann verkauft.
00:06:35: und dann habe ich mich bei Contest quasi in die Babypause, also Elternzeit einfach verabschiedet und ich hatte während der Elternzeit viel Zeit mir Gedanken zu machen.
00:06:43: und da war dann, kam, ist dieser Gedanke denn gereift, aber wirklich Aktives, ich gehe raus und beschäftige mich mit der Idee zu, ich übernehme die Schlüssel im übertragenen Sinne, hat das ungefähr acht bis neun Monate gedauert.
00:06:56: Ich muss ehrlich sagen, jetzt, wenn man weiß, was man tut, wird das auch in zwei, drei Monaten möglich.
00:07:02: Aber die meisten kaufen ja nicht ganz wein, wie im Fließband, sondern das ist ja eher eine Sache, die man nur ein, zwei Mal vielleicht im Jeb-Leben macht.
00:07:10: Und ja, dreiviertel Jahr so insgesamt mit allen Dingen, die da so gemacht werden müssen in der Reise.
00:07:17: Okay, ja, das matcht ungefähr mit dem, was ich mir so vorgestellt habe, wie du schon sagst.
00:07:23: Sieht ja einige Schritte nach sich, aber okay, das ist auf jeden Fall ein überschaubarer Zeitraum.
00:07:29: Welche Frage ja immer für die Hörer spannend ist, aber auch ja für uns.
00:07:33: Wie hast du das mit dem Kaufpreis bewertet?
00:07:38: Wonach hast du das bewertet?
00:07:39: eher anhand von Zahlen oder von dem Zukunftspotenzial der Kanzlei?
00:07:45: Ja, also eine gewisse betriebswirtschaftliche Rentabilität ist zwingend notwendig, weil Das Geld hatte ich nicht zufälligerweise gerade unterm Kopfkissen liegen, sondern finanziert über einen Darlehen, natürlich einen Eigenkapitalanteil, aber dann auch viel Fremdkapital aufgenommen.
00:08:04: Und muss man so zu sagen, es ist schon das teuerste, was ich jemals im Leben gekauft habe.
00:08:10: Und natürlich muss die Kanzlei, das Tagesgeschäft, das auch irgendwie wirtschaften, dass ich das bezahlen kann.
00:08:17: Weil das ist mein Hauptjob, da bin ich jetzt in erster Linie tätig und deswegen, das ist das... Mindestmaß, was erstmal rauskommen muss als Ergebnis.
00:08:27: Aber als das, also bei allen Kanzleien, bei denen das gegeben war, und das war nicht bei allen gegeben, habe ich schon drauf geschaut, wo ist das, was ich mitbringen kann.
00:08:37: Das ist Technologieverständnis, Prozessverständnis, auch in der Lage sein Mitarbeiter und Mandanten akquirieren zu können, also für mich als vertrieblich.
00:08:45: zumindest wenn ich mich zwischen Steuerberatern stelle, eher als überdurchschnittlich bezeichne.
00:08:50: Das heißt, es gibt bestimmte Dinge, die kann ich mitbringen und andere kann ich nicht mitbringen.
00:08:54: Und dann habe ich mir Kanzlei gesucht, wo ich den größten Mehrwert schaffen kann, dadurch, dass ich einfach mit reinkomme.
00:09:01: Und das war schon auch ein wichtiger Hebel.
00:09:04: Und das muss man auch dazu sagen, es gibt schon auch viele Kanzleien, wo ich das Gefühl habe, dass gerade Technologie, Prozesse, Mitarbeiter zwar ein großer Hebel werden, wo ich aber das Gefühl habe, diese Kanzleien sind.
00:09:14: vor zwanzig, dreißig Jahren stehen geblieben.
00:09:16: Und wenn heute jemand noch einhundert Prozent Papier basiert arbeitet, dann unterstelle ich da eine gewisse Überzeugung und eine gewisse Resistenz für Innovation und Technologie.
00:09:27: Das heißt, ich habe nicht das Gefühl gehabt, dass solche Kanzleien wirklich für die Zukunft bereit sind.
00:09:33: Und ich hatte Sorge, wenn ich da jetzt mit Veränderungen anstoße, dass ich so vielen Leuten von Kopf stoße, dass die anschließend kündigen.
00:09:41: Wenn man so viel Geld in die Hand nimmt und eine Kanzlei kauft, möchte man ja nicht, dass ein halbes Jahr später die Mitarbeiter und Mandanten alle gehen, weil ihnen die neue Arbeitsweise nicht gefallen.
00:09:48: Das heißt, eine gewisse Veränderungsflexibilität war mir da auch sehr wichtig.
00:09:52: Deswegen betriebswirtschaftlich, dass ich einfach eine gute Ergänzung zu dem bestehenden System bin und dass eine gewisse Veränderungsbereitschaft und Motivation Interesse da ist.
00:10:02: Das waren die Haupt ... die drei wichtigsten Dinge auf die Schraube.
00:10:06: Ja, auch das.
00:10:08: Etwas, das wir auch immer wieder hören oder was man auch so auf dem Forum ja immer mal hört, wie unterschiedlich Kanzleien auch heutzutage nach aussehen.
00:10:15: Wie oft kam dir das denn so unter, sag ich mal, dass da Kanzleien dazwischen waren, wo du gesagt hast, oh nee, das passt irgendwie gar nicht zu dem, wie ich eine Kanzlei mir vorstelle oder was ich einbringen möchte, diese Zukunftsurientierung, wie oft war das der Fall, dass du gesagt hast, das ist wirklich noch, ja.
00:10:33: Vielleicht eine Antiquita, was vorgehen.
00:10:35: Also, der ist unterschiedlich, ob es komplett fremde Kontakte waren, in Sinne von ich höre mal rum und habe einen Kontakt von einem Kontakt von einem Kontakt, wo ich wirklich sagen müsste, da sind wahrscheinlich drei Viertel, mindestens drei Viertel der Kanzlerin kommen überhaupt nicht in Frage, aufgrund von denen gerade drei Kriterien.
00:10:50: Aber dadurch, dass ich, und auch wenn man so mit Beratern spricht, dann ... gibt man ja schon an, wonach man so sucht.
00:10:57: Und auch wenn ich in meinem persönlichen Umfeld umgehört habe, ist das ja ein gewisser Filter.
00:11:01: Das heißt, ich hatte schon die Berater als Filter und auch mein persönliches Umfeld als Filter.
00:11:06: Wenn da jetzt ein, ich würde mal sagen, sehr Klischeebild geschrieben, so ein siebzigjähriger, cholerischer Patriarch, der seine Kanzlei so führt und alles auf Papier arbeitet aus Überzeugung.
00:11:21: Der ist in Zweifel gar nicht in meinem Umfeld gewesen, weil wir schon einfach uns nicht so viel zu sagen hätten.
00:11:27: Das heißt, es gab schon Filter dadurch.
00:11:29: Aber wenn ich davon losglöße auf ganz Leinen schaue, würde ich wirklich sagen, drei Viertel, achtzig Prozent der ganz Leinen kämen nicht in Frage.
00:11:38: Bei mir war die Quote Gott sei Dank durch diesen Filter nicht so schlecht.
00:11:42: Nicht so hoch.
00:11:43: Ja, cool.
00:11:44: Danke erst mal für diesen ersten Überblick und welche Vorüberlegungen du auch hattest.
00:11:49: Dann kommen wir jetzt mal zur Übergangsphase.
00:11:52: Da gebe ich ab.
00:11:54: Dankeschön, Franzi.
00:11:55: Du hast ja vorhin erzählt, dass die Seniorpartnerin nicht mehr da ist und nur noch die Juniorpartnerin.
00:12:00: Magst du uns erzählen, wie die Übergangsphase lief, was er harmonisch oder gab es da Treibungspunkte?
00:12:04: Ja.
00:12:05: Vielleicht dazu, dass.
00:12:06: davor habe ich tatsächlich am meisten Angst, weil ich in so ein paar Unternehmer und Netzwerken war.
00:12:14: Und es ist ja eigentlich sehr typisch, dass man im Rahmen von Alters Nachfolge irgendwann die Kanzlei-Leitung oder nicht Kanzlei, generell Unternehmensleitung abgibt in anderen Branchen auch.
00:12:24: Und die größten Horrorgeschichten habe ich wirklich immer dann gehört, wenn Senior sich... einfach nicht das Büro verletzt, sondern für immer da sitzt, hinten in der Ecke, manchmal rumschreibt, sich nicht an nichts mehr anpasst, alles boykottiert.
00:12:37: und alles war schon immer so und darf sich nicht verändern.
00:12:41: Und noch schlimmer ist das, wenn das in der Familie passiert, weil dann hat man unter Umständen Streit in der Familie und dann ist wirklich, das ist, davor hatte ich die größte Sorge, weil ich da die größten Horrorgeschichten vorher gehört habe und deswegen hatte ich davor meist ein Respekt und an der Stelle Riesengroßes Dankeschön für den Support von Hilde Noack, die die das überhaupt gar nicht hatte.
00:13:01: Ich wollte, das plaudere ich einmal mal aus, ich wollte eigentlich einen Beratungsvertrag für die ersten zwölf Monate geben.
00:13:07: Dass sie einfach für Sparring da ist, dass sie mir einfach auch zur Seite steht für ein paar Dinge und rechts und links mal Hinweise gibt.
00:13:14: Gar nicht, weil die aktiv irgendwie noch mitarbeiten soll, sondern weil ich sie als Beraterin irgendwie noch dabei haben wollte.
00:13:21: Und die hat gesagt, ich bin jetzt seit forty-fünf Jahren Unternehmerin, ich fange noch nicht jetzt an Arbeitsvertrag zu unterschreiben.
00:13:26: hat das mit den Worten vom Tisch gewischt und wo ich dachte, oh gut, naja, dann springe ich mal ins Wasser, aber sie ist wirklich einfach trotzdem da.
00:13:34: Also jetzt werden letztendlich macht sie genau das, nur dass ich sie dafür nicht bezahl, sondern weil sie sagt, ich will mein Lebenswerk ja jetzt nicht dem Bach untergehen sehen und die ist dann einfach da.
00:13:43: und es gibt natürlich so kleinere Punkte, wo sie immer sagen, das ist jetzt deine Entscheidung.
00:13:50: Ich hätte das jetzt so gemacht und solch so.
00:13:52: was gibt es schon auch, aber Was ich glaube da extrem wichtig ist und wir uns auch beide auch in einer regelmäßigen Drahnehne, das darf nicht die persönliche Ebene betreffen.
00:14:02: Es ist okay, dass man, ich muss sagen, handwerklich in der Unternehmensführung, Mitarbeiterführung, Akquise, wie auch immer, anderer Meinung ist.
00:14:11: Das darf aber nicht auf so einer persönlichen Ebene enden so.
00:14:16: Und letztendlich glaube ich, muss der Verkäufer oder in dem Fall die Verkäuferin auch pein damit sein, rauszugehen.
00:14:22: Weil das ist das, was sie bei vielen Kanzleien auch gesehen haben.
00:14:24: Die halten einfach zu, die wollen gar nicht gehen.
00:14:26: Die wollen zwar verkaufen, keine Ahnung, die wollen das Geld auf den Konto haben und die wollen auch nicht mehr den Stress haben, aber wirklich gehen wollen sie auch nicht, weil die Arbeit und ihr Job und ihre Kanzlei auch so sehr ihren Charakter und ihren eigenes Leben widerspiegeln, dass sie, es gibt gar kein Leben ohne diese Kanzlei.
00:14:41: Und das muss ich ehrlicherweise sagen, ist glaube ich schon auch eine große Gefahr in der Nachfolge.
00:14:46: Was mir vor auch in der Dimension nicht bewusst war, wo ich einfach ein bisschen Glück gehabt habe, dass das in dem Fall ganz gut war.
00:14:53: Aber ja, sie ist im erster Linie.
00:14:54: Ich würde sie als Mentoren bezeichnen.
00:14:56: Aber die rufen mir auch manchmal an und sagen, da gibt es so ein Fühldama oder Hördama, sprich mal mit der Person.
00:15:02: Und so manchmal so Hinweise, die man so instinktiv drin hat, wenn man so in forty fünf Jahre da arbeitet und die ich noch nicht drin habe, weil ich ja noch keine forty fünf Jahre da bin und diese diese.
00:15:14: Diese Dinge, diese Unausgesprochenen zwischen den Zeilen stattfinden, die nämlich halt nicht wahr, weil ich noch neu bin.
00:15:21: Da gibt sie mir manchmal Tipps.
00:15:23: Aber ja, rein praktisch haben wir keinerlei Vertragsverhältnis.
00:15:27: Spannend auf jeden Fall.
00:15:28: Ist sie denn täglich dort?
00:15:29: Und wie ist deine Anwiegenheit vor?
00:15:31: Nein, also täglich auf gar keinen Fall.
00:15:33: Die hat auch vorher schon viel gereist.
00:15:34: Das war für mich auch ein Kriterium, was ich beim Übernahmen der Kanzlei spannend fand, weil sie sehr regelmäßig in der Welt unterwegs war, also in Australien auf Wochen lang, wo ich mir dachte, naja, wenn die das hin kriegt, die Kanzlei aus Australien zu führen, dann kriege ich das auch.
00:15:48: Da kriege ich das auch, auch rin.
00:15:50: Ich bin dichter dran.
00:15:52: Und das ist, aber ja.
00:15:54: Ich könnte das jetzt nicht sagen, sie ist immer mal auch da, dann aber auch nicht den ganzen Tag, sondern schaut sie mal eine Stunde, zwei Stunden rein und keine Ahnung, kriegt einen Kaffee und es ist halt auch einfach so, dass viele Mandanten natürlich auch ihr Freundes bekannten Familienumkreis ist und so wie das in so einer Typischen ganz leise so ist.
00:16:12: Deswegen lässt sich das nicht so hundertprozentig trennen.
00:16:16: Ich habe keine Ahnung, fünf Stunden, vier Stunden die Woche ist sie aktuell da.
00:16:20: Du hast ja vorhin erzählt, das ist... Kanzleien gibt die noch hundert Prozent Papier benutzen.
00:16:25: Was waren denn die Themen der Kanzlei, die du übernommen hast?
00:16:27: War das bei dir auch so in der Kanzlei?
00:16:29: Und wo hast du dann erst angepackt?
00:16:31: Weil ich kann mir vorstellen, dann hast du zum Beispiel dort, als ersten Moment, dass du den Drucker erst wegschmeißt oder so.
00:16:36: Wie war's denn bei dir?
00:16:37: Ja, das war ungefähr auch meine Erwartungshaltung.
00:16:40: Wir haben nichts im Bereich Digitalisierung gemacht.
00:16:43: Also die ist schon, das ist schon auch eine digitale Kanzlei.
00:16:46: Das war für mich so ein bisschen eine Grundvoraussetzung, dass sie zumindest... die Bezeugung hatte, dass das sinnvolle Art und Weise ist zu arbeiten.
00:16:53: Aber wir haben nichts im Bereich Digitalisierung und Automatisierung gemacht in den ersten zwölf Monaten.
00:16:59: Und das habe ich mir definitiv am Anfang irgendwie anders vorgestellt.
00:17:02: Mein vorheriger Job war sehr technologisch im Software entwickelt und das war auch das, was ich ja dachte, dass ich mit diesem Verständnis und mit dieser Ergänzung reinkomme und da jetzt großen Mehrwert schaffen kann.
00:17:14: Dann habe ich mir das angeschaut und erst mal gedacht, eigentlich ist der erste Schritt erst mal, Strukturierung und Vereinheitlichung.
00:17:22: Das erste größere Projekt war tatsächlich Einführung von einem Dienstleistungskatalog.
00:17:27: Das heißt, wenn wir sagen, wir verkaufen Finanzbuchhaltung an unseren Mandanten, das Finanzbuchhaltung bei jedem Mitarbeiter und bei jedem Mandanten auch das Gleiche ist.
00:17:34: Überhaupt so eine Vereinheitlichung von, wie arbeiten wir eigentlich und was bieten wir eigentlich an und auch zu welchen Preisen und die Stundensätze vereinheitlich.
00:17:43: Das hat mir zwar einheitlich pro Mandant, aber überhaupt nicht unter den Mandanten, so kann es gleich weit.
00:17:46: Und sehr viel dieser Grundsätzlichen, wir definieren mal was, wir strukturieren mal was, das ist eher auf so Prozesse, Prozess und organisatorischen Ebene.
00:17:59: Auch ellicherweise sich die Mandanten anzuschauen, zu sagen, gut, wir haben jetzt hier so viele Mandanten, für wen wollen wir eigentlich idealerweise arbeiten und für wen in Zukunft auch eher nicht mehr.
00:18:10: Das waren alles eher so... Ich muss sagen, Strukturierungsthemen und ich hoffe, dass wir irgendwann, wenn wir damit fertig sind, irgendwann uns machen wir wieder mehr mit Technologien beschäftigen, weil das ja eigentlich meine Anfangshypothese war, dass ich da ganz viel Mehrwert schaffen kann und jetzt auch nichts gekommen gefühlt.
00:18:25: Es war aber auch einfach noch nicht daran, dass wäre gefühlten Pflaster auf dem Beinbruch, wenn ich jetzt ein Tool eingefühlt hätte, sondern ich fühlt sich so an, als wenn man erst die grundlegende Arbeit erledigen muss.
00:18:39: Es klingt jetzt sehr martialisch.
00:18:41: Der kann es leidigen letztes Jahr gut und jetzt ist es ja auch gut.
00:18:43: Also es hat keinen Knochenbruch, aber es ist erstmal diese Grundlagenarbeit.
00:18:48: Und das war aus technologischer Sicht, ich habe ein Software Background, schon fast eher enttäuschend, wie wenig es eigentlich um Technologie und Automatisierung geht.
00:18:58: Gerade in einem Jahr, wo KI und E-Rechnungen und so die bestimmten Themen sind, dass das so im Alltag noch nicht so richtig die große Rolle gespielt hat.
00:19:07: Jetzt vielleicht eine spannende Frage, auch für die Mitarbeiter der Kanzlei.
00:19:10: Wie viel Altes will zu den Verfahren und wie viel Neues will zu mit reinbringen in der Zukunft, was ist geplant?
00:19:15: Ja, also grundsätzlich, ich glaube, wenn eine Kanzlei, forty-fünf Jahre besteht, dann muss schon mehr richtig als falsch gemacht sein.
00:19:23: Und ich glaube, das anzuerkennen ist extrem wichtig und gleichzeitig auch das zu verstehen, dass man im Zweifel noch nicht alles versteht.
00:19:31: Ich glaube, ich habe Erfahrungen in meinem Leben schon gesammelt, was Rhein-Unternehmertum betrifft.
00:19:38: Aber man nimmt Dinge, die man nicht versteht und die man nicht kennt, in Zweifel halt nicht so war.
00:19:44: Und ich habe diese ganze Historie so noch nicht.
00:19:47: Und deswegen hatte ich auch eingangs ja gesagt, für mich war das erste Jahr wirklich erstmal Stabilität und Kennenlernen, um überhaupt zu verstehen, was ist eigentlich hier bewahrenswert und was nicht.
00:19:59: Könnte auch reinmarschieren als Glückscheiße und sagen, ich weiß ganz genau, wie das jetzt zu funktionieren hat und da überall mal hinzugehen.
00:20:04: Aber ich wüsste da ja noch nicht mal, wem ich da gerade jetzt in die Parade fahre und wem ich da jetzt gerade keine Ahnung, lang gehickte Träume, Projekte und so weiter kaputt mache.
00:20:15: Und weil ich Sorge hatte, dass das in die Hose nach hinten losgeht, habe ich versucht, mich zurückzuhalten.
00:20:21: Ich habe ein Notizbuch, in dem ich alles, was ich mir gedacht habe, aufgeschrieben habe, damit ich es nicht vergesse.
00:20:27: Aber ich wollte es noch nicht... zu aggressiv rein tragen.
00:20:31: Und wir machen in diesem Jahr schon relativ viele Workshops, wo ich Hypothesen und Gedanken mit dem Team, mit den Mitarbeitern gemeinsam diskutiere.
00:20:41: Weil die kennen die Historie, die kennen die Vorgeschichte.
00:20:44: Und das ist schon so, dass ich da meine Ideen reinbringen, die auch manchmal wahrscheinlich eher ein bisschen radikaler sind, aber dass wir sie zusammen diskutieren.
00:20:53: Und ich glaube, langfristig lebt eine Idee, ein Projekt, eine Maßnahme nur, wenn es halt von dem ganzen Team mitgetragen wird und nicht nur, wenn nur ich es mag.
00:21:02: Das ist schon eine andere Art und Weise der Arbeit, als ich sie bisher vorher hatte.
00:21:06: Vorher, also wenn ich gründe, dann lauf ich los mit meiner Idee und ich weiß, dass alle Leute, die die Idee gut finden, die würden sie auch als Mitarbeiter bewerben und die, die sie halt durchfinden, bewerben sich nie.
00:21:16: Das heißt, ich habe diesen automatischen Filter.
00:21:18: Dadurch, dass ich jetzt in ein fremdes System reingehe, wenn ich viel zurückhaltender und vorsichtiger und fühle immer vor.
00:21:25: Ich bisher war es noch kein Problem, aber natürlich will ich trotzdem auch die Organisation in gewisser Weise irgendwie in Bewegung bekommen.
00:21:36: Und das ist bisher so das, wie ich drauf schaue.
00:21:38: Deswegen, es gibt schon ein paar Sachen, die möchte ich erhalten.
00:21:40: Wir sind sehr, diese ganze Zeit unglaublich gastfreundschaftlich.
00:21:43: Wenn man da reingeht, man wird... bewirtet, wie man sonst nicht gewohnt ist.
00:21:49: Es hat mich sehr beeindruckt, das weiß ich zum Beispiel, dass ich das nicht gemacht hätte alleine.
00:21:54: Weil ich, keine Ahnung, denke ich viel zu rational und sage so, wir treffen uns ja nicht zum Frühstückessen, sondern wollen Jahresabschluss besprechen.
00:22:00: Denn dass aber die Kultur ist, die lange gelebt ist, und dann ist es in gewisser Weise der Servicegedanke, der drin ist bei allen Mitarbeitern, und das sind aber auch die Mandanten, die das erwarten.
00:22:07: Das wäre von mir selbst nicht gekommen.
00:22:09: Ich beobachte aber... Und das zeigt sich natürlich auch in vielen Kleingesten.
00:22:13: Das ist extrem wichtig.
00:22:14: Und dann sollten wir das natürlich bewahren.
00:22:17: Und auf der anderen Seite, jetzt bin ich ein Dienstleistungskatalog und ich will mal sagen, mehr die Systematisierung einer Kanzlei.
00:22:24: Und das ist gar nicht negativ gemeint, aber eine Kanzlei in gewisser Weise zu einer Produktionsstraße von Jahresabschliessen, Steuererklärung, Buchhaltung zu machen, wirklich mit so einem effizienzgetriebenen Gedanken.
00:22:36: Das ist definitiv etwas, was ich mehr mit reinbringe.
00:22:39: Bisher war es mehr so eine... wirklich so eine super individuelle boutique und jetzt jetzt wird schon auch eine hoffentlich immer mehr gehüllte maschine die einfach die produkt in anfangs zeichen die wir verkaufen einfach effizient produziert.
00:22:54: also buchhaltung jahresabschlüsse und so weiter und ich glaube das ist sehr viel mindset und und wahrnehmungsfilter so.
00:23:02: aber ja genau das ist so.
00:23:05: Ich bin da gerade sehr abwartend, deutlich abwartender, als man mich kennengelernt hat, bis vor einem Jahr ungefähr.
00:23:11: Ich als Gründer in der Starterwelt in Berlin war deutlich direkter und irgendwie auch aggressiver mit meinen Ideen, als jetzt gerade.
00:23:17: Jetzt gerade muss ich in Zweifel erstmal in meinen Buch herhalten, als Filter, dass ich ihm erstmal Sachen aufschreibe, bevor ich sie reinwerfe ins Team, weil ich das Sorge habe, dass ich zu die Chaos anrichtet.
00:23:25: Du hast ja gesagt, dass du dich verändert hast.
00:23:28: Gibt es andere Learnings, die du dadurch mitgenommen hast, quasi, was du gelernt hast durch den Kauf der Kanzlei?
00:23:33: Ja, also... Ich sehe vor allen Dingen auch noch so Baustellen bei mir.
00:23:37: Also ich sehe ja, was gut funktioniert.
00:23:41: Ich bekomme aber noch mit, wie viel wichtiger Abstimmung Kommunikation ist.
00:23:48: Die rein fachliche Arbeit, die läuft.
00:23:49: Und die habe ich ehrlicherweise auch nicht zu tun als Kanzlei-Leitung.
00:23:52: Aber wie wichtig es ist, auch bei Ideen, die für mich vielleicht selbstverständlich sind, dass ich das nicht erwarten kann, dass es für andere genauso selbstverständlich ist.
00:24:02: Und das braucht einfach... Zeit, das ist einmal aber auch die rationale Ebene Dinge zu verstehen und dann einmal auch einfach die emotionale Ebene da jedem das mitzugeben und dass ich gewisse Ideen, Projekte, die ich umsetzen möchte, halt auch gefühlt schon sehr früh in die Wege leiten muss, einfach damit die Leute die Möglichkeit haben sich darauf einzulassen.
00:24:25: Ungeduld war schon immer eine große Schwäche in meinem Leben, aber die zeigt sich auch noch mal mehr, obwohl ich vielleicht geduldiger bin und zurückhaltender bin.
00:24:31: Und so ist es trotzdem immer noch Kommunikation und Dingen Zeit geben.
00:24:38: Das ist definitiv auch eine Aufgabe, die ich in diesem Jahr gemerkt habe.
00:24:42: Da kann es durchaus auch noch mal ein bisschen mehr gebrauchen von meiner Seite.
00:24:48: Und ich glaube generell, Ich komme irgendwie aus dem Hippen schnellen Start-up Berlin.
00:24:55: Es ist schwer, sich selber so zu beurteilen.
00:24:58: Aber ich vermute, wenn mich Freunde treffen würden vor einem Jahr und jetzt, dann bin ich ein bisschen weager, vielleicht?
00:25:06: Ist nicht mehr ganz so abgedrehtes Start-up, riesen Visionen.
00:25:10: Wir verändern in drei Jahren die ganze Welt.
00:25:14: Sondern es hat ein bisschen mehr Substanz, ist aber dadurch auch gleichzeitig ein bisschen langsamer geworden.
00:25:21: Meine Art.
00:25:22: Ja, das fand ich jetzt schon mal auf jeden Fall sehr spannend, was du als erzählt hast und was mir vor allem gut gefallen hat, ist, wie du beschrieben hast, dass du... dich selbst so zurücknimmst.
00:25:31: Das fand ich jetzt sehr nett.
00:25:33: Das ist auch etwas, was ich finde, was wir nicht in so vielen Gesprächen immer hören, aber dass es auch oft rumgeht oder dass es eine wichtige Fähigkeit ist, die man mitbringen kann.
00:25:43: Wenn man in ein neues Team reingeht, nicht direkt alles verändern zu wollen, sondern erst mal zu schauen, was ist denn überhaupt so gut gelaufen in den letzten Jahren und warum sind die so erfolgreich, wie sie jetzt sind.
00:25:52: Das fand ich echt cool zusammengefasst von dir.
00:25:55: Ich glaube, ich glaube, es ist extrem wichtig, die eigene, das eigene Dasein, die eigene Wirkung auf so einer Meta-Ebene von oben auch zu betrachten.
00:26:07: Und auch wirklich rein, das ist gar nicht so viel los, das ist betriebswirtschaftlich das dümmste, was man machen kann, ist irgendwie so ein siebenstelligen Betrag zu investieren, sich so hoch zu verschulden und anschließend so viel Chaos anzurichten, dass das auseinander fällt.
00:26:23: und wenn der ganz viel für etwas bezahlt zu haben, was man aber nicht mehr hat.
00:26:27: Und ich glaube auf... Da ist definitiv Reflektion da notwendig und vor allem auch so ein bisschen Kenntnis der eigenen Stärken und Schwächen.
00:26:35: Ich glaube, dieses regelmäßige Reflektieren ist da extrem wichtig, weil ich habe natürlich die ganzen Ideen, die habe ich trotzdem.
00:26:43: Ich habe schon den ganzen Drang, was zu machen, aber mir hat ein Freund irgendwann mal gesagt.
00:26:49: Wenn dein Job nicht aufregend genug ist für dein eigenes Stimulanzbedürfnis, dann such dir halt einen aufregenderen Job.
00:26:55: Dann geh halt klettern oder Falschib springen oder sonst irgendwas.
00:26:57: Aber mach bitte deine Kollegen die wahnsinnig.
00:26:59: Was würdest du denn, aber jemandem raten, das hatte ich ja auch im Intro angeteasert, was würdest du jemandem raten, der eine Kanzlei mit nem älteren Team oder auch nem älteren Mandantenstamm übernimmt?
00:27:10: Gibt's da so, ja, so ein paar Tipps, die du mitgeben möchtest?
00:27:14: Ja, das ist sowieso ne Konstellation.
00:27:16: Ich glaube, ich hab in den... in meinem Leben, also in den letzten zehn Jahren meines Lebens habe ich noch nicht so oft gehört, dass ich jung bin wie in den letzten zwölf Monaten.
00:27:23: Weil ich natürlich in dem Kontext deutlich unterdurchschnittlich alt bin und in meinen vorherigen Umfeldern eher äh, eher äh, äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh.
00:27:38: Ich glaube, und das ist fast so ein gesellschaftlicher Eindruck, ich glaube, wir tun alle gut daran, dass wir uns, dass wir das wertschätzen, was da ist.
00:27:48: Das hat schon auch irgendwie ein Wert.
00:27:50: Das heißt nicht, dass alles so bleiben muss, wie es ist, aber das ist gut ist, was jetzt schon heute da ist.
00:27:57: Das ist extrem wichtig.
00:27:59: Und dass man sich dann auch in der Situation, wenn man ein Unternehmen eine Kanzlei übernimmt, auch ganz genau überlegt, welche Das hat auch ein Freund von mir gesagt, welcher Kampf es wert ist, gekämpft zu werden und was man einfach auch so lässt, wie es ist.
00:28:15: Man muss nicht reparieren, was nicht kaputt ist.
00:28:19: Ich würde andere Dinge machen.
00:28:21: Ja, und wenn ich eine Kanzlei heute gründen würde, würde ich vielleicht viele Dinge anders machen.
00:28:25: Aber wenn etwas funktioniert, dann geht es nicht darum, dass ich meinen Ego streichle, indem danach anschließend jeder alles genau so macht, wie ich es machen würde, sondern ich schau darauf, Warum wird irgendwas wie gemacht?
00:28:37: Und wenn das funktioniert, dann kannst du auch gerne morgen weiter funktionieren.
00:28:42: Man würde sich selber oder ich würde mir viel zu viel Aufgaben aufladen, indem ich versuchen würde, alles einfach nur so zu machen, wie ich es gerne haben wollen würde, ohne mir zu überlegen, warum wird das eigentlich gemacht?
00:28:53: Und das irgendwie auch zu akzeptieren, dass Dinge manchmal auch einfach gut sind und sie sind trotzdem anders, als ich sie machen würde.
00:29:01: Das ist halt einfach so.
00:29:02: Und ich glaube, diese Wertschätzung von dem, was da ist, was bestand hat, das ist glaube ich extrem wichtig, wenn man in bestehende Strukturen reingeht.
00:29:13: Weil, sonst hängt man die ganzen Leute ab und dann ist man irgendwann alleine da.
00:29:17: Und das wäre für eine Übernahme das Schlimmste, was wir sehen
00:29:21: können.
00:29:21: Ja, gut zusammengefasst auch.
00:29:23: Dein Tipp, sich gut zu überlegen, welche Kämpfe man kämpft oder ausfechten möchte, ist, glaube ich, ein guter Rat für das gesamte Leben.
00:29:32: Wenn du jetzt heute aber nochmal übernehmen würdest, gibt es denn etwas, das du anders machen würdest?
00:29:36: Du hast ja schon gesagt, dass es viel besser gelaufen als du es dir vorher wahrscheinlich vorgestellt hast, aber...
00:29:42: Hat sich befürchtet.
00:29:42: Ja,
00:29:43: oder befürchtet hast, aber meistens gibt es ja trotzdem irgendwas, was man anders machen würde, mit dem Wissen, was man heute hat.
00:29:49: Ist das bei dir auch so?
00:29:51: Ja also ich glaube ich hätte vor dem kauf also klare betriebswirtschaftliche ist wichtig und technologie ist wichtig und so weiter.
00:29:58: ich glaube ich hätte.
00:30:01: Nächstes mal vor dem kauf auch noch mal mehr mich einfach mit dem ganzen team aus einem gesetzt.
00:30:08: das ist sehr untypisch wenn man eine kanzlei kauft weil man.
00:30:11: spricht er in erster Linie mit dem Verkäufer oder der Verkäuferin und nicht mit dem ganzen Team.
00:30:16: Aber man muss sich mal überlegen, was kauft man eigentlich, wenn man eine Kanzlei kauft.
00:30:20: Früher waren das vielleicht Mandantenstämme, weil es schwierig ist, Mandanten zu erklären.
00:30:23: Heute kauft man in erster Linie ein Team, weil das das knappste Gut ist in der Steuerberatung.
00:30:29: Eigentlich ist das absolute Wahnsinn, dass man sich alles Mögliche anschaut, die Buchhaltung und den Verkäufer oder Verkäuferinnen und auch Mandanten analysiert und so was.
00:30:40: viel zu wenig Zeit sich mit den Mitarbeitern beschäftigt.
00:30:43: Das würde ich in Zukunft, also für alle zukünftigen Käufte, die dann noch kommen, würde ich immer mit den Mitarbeitern vorher sprechen, also mit, idealerweise mit allen, weil letztendlich... letztendlich müssen die mit ihr arbeiten können.
00:31:00: Und nicht der Verkäufer oder die Verkäuferin.
00:31:02: Der Fokus ist bei Käufen viel zu groß auf wer verkauft und die Person ist vollkommen egal, die ist eh früher oder später irgendwie weg.
00:31:08: Sondern wer wichtig ist, wer arbeitet da den nächsten fünf, zehn, zwanzig Jahre mit ihr und könnt ihr eigentlich mitlernen.
00:31:15: Ja, das höchst du gut.
00:31:16: Heutzutage würde ich sagen, ich würde wahrscheinlich, das ist häufig für die Ausdrucksweise, beim größten Arschloch, die kann es wegkaufen, wenn das Team super ist.
00:31:24: Und das hatte ich in der Deutlichkeit Vorher nicht auf dem Schirm.
00:31:28: Ich habe das dann irgendwann nach drei, vier Monaten nachgezogen, dass ich gesagt habe, ich setze mich wirklich mal ausführlich mit jedem Mitarbeiter hin und versuche auch zu verstehen, warum sind die eigentlich hier, was finden die gut, was wünschen die sich eigentlich, was ist eigentlich deren Antrieb und wirklich einfach so ein Kennenlernen.
00:31:42: Wir hatten keine Mitarbeitergespräche, wir hatten Kennlerngespräche und die hätte ich beim nächsten Mal definitiv vor dem eigentlichen Kauf geführt, weil es ist eigentlich Wahnsinn.
00:31:51: So ein Vertrag zu unterschreiben und es nicht vor
00:31:53: allem macht.
00:31:53: Ja, das stimmt.
00:31:54: Danke für deine Ehrlichkeit und Offenheit auch an der Stelle.
00:31:56: Aber ja, klar, das ist natürlich das höchste Gut, eigentlich, was man an einer Kanzlei hat.
00:32:01: Die Mitarbeiter und wie sie mit einem dann auch zusammenarbeiten wollen und wie sympathisch man sich vielleicht auch ist, wie gut das matcht, wie man sagt.
00:32:09: Genau.
00:32:09: Ja, cool.
00:32:11: Ja, weil man halt mit denen deutlich länger zu tun hat, als ja mit den Verkäufern.
00:32:14: Aber es ist auch bei, auch wenn man mit Beratern zu tun hat, man hört immer, nee, das ist ganz üblich.
00:32:19: Die Mitarbeiter, die... Erfahren das gar nicht, weil es könnte ja Nevosität auslösen.
00:32:24: Okay, man muss das ja nicht beim ersten Kennenlernen machen, aber bitte doch Porn, Kauf so.
00:32:32: Weil natürlich auch in jedem einzelnen Mitarbeiter ja auch irgendwelche vorstellen.
00:32:35: Es gibt ja einen Grund, warum die jeden Morgen zur Arbeit gehen.
00:32:37: Das sollte man schon verstehen, weil wenn man diesen Wunsch, diese Bedürfnis, dieser... Gut, wenn es einfach Geld ist, aber meine Erfahrung nach, die wenigsten Mitarbeiter gehen einfach aus, denen morgens meistens nicht wegen dem Geld auf, sondern die treibt schon auch noch was anderes an und das muss man schon auch verstehen, weil dieses, dieses Bedürfnis nach Sinn, nach Erfüllung, nach Ruhe, nach was auch immer, das sollte man als zukünftige Arbeitgeber ja genauso erfüllen.
00:33:00: Und wenn man das nicht mehr erfüllt, dann hat die Kanzlei keine große Zukunft.
00:33:03: Ja,
00:33:04: das stimmt.
00:33:05: Ja, danke.
00:33:06: Ja, dann danke, Major.
00:33:07: Dann haben wir jetzt einen spannenden Einblick rund um das Thema Kanzlei-Kauf bekommen.
00:33:11: Franzi, hast du noch eine Hinweise für unsere Hörer?
00:33:14: Ja, genau.
00:33:14: Ich würde gerne noch mal auf den Podcast von Melchor hinweisen, der ja Ansteuern heißt, auch ein NWB-Podcast.
00:33:22: Hört da gerne auch mal rein, falls das noch nicht geschehen ist.
00:33:24: Die Folgen finde ich immer sehr kurzweilig.
00:33:26: Und ich habe mal durch den Folgenkatalog geschaut.
00:33:29: Es ging in letzter Zeit um Selbstständigkeit und Karriereplanung.
00:33:32: Und ja, hört da gerne mal rein.
00:33:34: Ich verlinke das auch noch mal in den Show notes, genauso wie die Webseite.
00:33:38: Und da findet ihr dann alle Informationen.
00:33:41: Das war's mit unserer heutigen Folge.
00:33:42: Schön, dass ihr so gehört habt.
00:33:44: Wir freuen uns, wenn ihr euch beim nächsten Mal auch wieder einschaltet.
00:33:47: Wenn es heißt, willkommen an der Steuerbar.
00:33:49: Bis bald und bleibt neugierig.
00:33:51: Danke, ciao.
00:33:52: Ciao.
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